Mentorenprojekt

Flüchtlingshilfe Bergisch Gladbach

Das Konzept:

Im Oktober 2015 startete die evangelische Kirche mit ihren Kooperationspartnern das
Mentorenprojekt Bergisch Gladbach. Das Projekt entwickelte sich zu einem Erfolgsmodell.
Mittlerweile kümmern sich ca. 100 ehrenamtliche Mentoren/innen um die Integration von
Flüchtlingen in unserer Gesellschaft.

Projektidee

Auf Initiative des „Sozialen Netzwerkes Stadtmitte“ und unter Beteiligung der Pfarrbezirke 1 und 4 der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach, soll in einem weiteren Schritt ein Mentorenprojekt“ aufgebaut werden. Über das „Mentorenprojekt“ übernehmen Freiwillige für ein halbes Jahr eine Mentorenschaft für neu nach Bergisch Gladbach zugewiesene Flüchtlingsfamilien. Kontakte auf Augenhöhe sollen Neuankömmlinge bei der Orientierung unterstützen und eine Willkommenskultur in der Stadt fördern. Die Mentorinnen und Mentoren stehen für alle Fragen zur Verfügung, ob es die Suche nach einer rechtlichen Beratung oder nach einem passenden Sportverein, die Anmeldung der Kinder im Kindergarten oder der kostenlose Deutschkurs ist. Hier unterscheidet es sich von Beratungsangeboten, die nur in einem Bereich unterstützen und bei allen anderen Fragen auf das schwer überschaubare Labyrinth der einzelnen Angebote verweisen.

Darstellung der Ausgangssituation

Das Projekt „Soziales Netzwerk Stadtmitte“ der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach besteht seit Sommer 2012 und wurde zunächst aus Bundesmitteln des Bildungs- und Teiihabepacketes finanziert. Für 2015 hat die Kommune die Finanzierung dieser präventiven Netzwerkarbeit übernommen. Gerade im Sozialraum „Stadtmitte“ ist der Förder- und Hilfsbedarf sehr hoch, so dass eine Vernetzung der örtlichen Hilfe- und Helfersysteme von besonderer Bedeutung ist. Dabei konnte auf bereits bestehende Strukturen aufgebaut und vorhandene Netzwerke ausgebaut werden. Das „Soziale Netzwerk Stadtmitte“ arbeitet unter anderem mit dem „Mehrgenerationenhaus Bergisch Gladbach“ zusammen, welches seit 2008 in der Stadtmitte beim 1. Pfarrbezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach angesiedelt ist. Es handelt sich hierbei um ein Netzwerk zur Integration sozial benachteiligter Menschen, Vermittlung von haushaltsnahen und familienentlastenden Dienstleistungen, Anregung eines Dialoges der Kulturen und Religionen und arbeitet generationenübergreifend. Zu den vernetzten Einrichtungen des „Mehrgenerationenhauses Bergisch Gladbach“ gehören die Kindertagesstätte Quirl, die Kinder- und Jugendakademie Bergisch Gladbach „Qlstein“, das Kinderbüro für die Stadt Bergisch Gladbach, der Spieleverleih Bergisch Gladbach, das Jugend-Kulturzentrum „Ql“, die „Quirl-Initiative“ (gemeindepädagogisches Aufbauprojekt), Angebote und Aktivitäten im Gemeindesaal „Engel am Dom“, im Küster- und Pfarrhaus, das Evangelische Krankenhaus, die Förderinitiative „Mensch und Arbeit“, das Helmut-Hochstetter-Haus (Seniorenheim) und das evangelische Seniorenzentrum Quirlsberg. Die Angebote sind offen für alle – generationenübergreifend, interkulturell und interreligiös.

Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurden zahlreiche Angebote und Maßnahmen zur Unterstützung und Förderung von Kindern und Jugendlichen aus sozial- und finanzschwachen Familien realisiert. Dabei ging es immer um eine bedarfs- und zielgruppenorientierte Förderung im entsprechenden Sozialraum. Das „Soziale Netzwerk Stadtmitte“ konnte dabei stets auf viele Kooperationspartner zurückgreifen und die Angebote auf eine breite Basis von Unterstützern stellen. Durch die Einbindung der im Sozialraum tätigen Akteure und Helfersvsteme wird die Nachhaltigkeit der Angebote und ihrer integrativen Wirkung gefördert.

Seit 2013 ist das Netzwerk zunehmend im Bereich der Flüchtlingshilfe aktiv. Insbesondere die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien ist hierbei von wesentlicher Bedeutung. Als erster Schritt wurde der aus dem Sommerprogramm bekannte „Bauwagen“ an einer Flüchtlingseinrichtung platziert und öffnet an zwei Nachmittagen seine Tür. Pädagogische Mitarbeiter bieten in dieser Zeit ein Betreuungs- und Spieleangebot an, durch dass der kindliche Entdeckungsdrang und die Freude an spielerischen Lernprozessen angeregt werden. Durch verschiedene Spielformen werden die Kinder in Einzel- und Gruppenspielsequenzen zum Erlernen der deutschen Sprache angeleitet und in ihrer emotionalen, sozialen, motorischen und intellektuellen Entwicklung unterstützt.

Aufgrund der stetig steigenden Flüchtlingszahlen, ohne Aussicht auf kurz- und mittelfristige Abschwächung, ist von einem erhöhten Unterstützungsbedarf in diesem Bereich auszugehen. Die bestehenden Unterbringungsmöglichkeiten stoßen dabei auf räumliche Grenzen, so dass eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in kleineren, bis mittelgroßen Unterkünften vorgenommen wird.

Seit 2013 ist die Zahl der nach Bergisch Gladbach gekommenen Flüchtlinge von 120 auf über 600 (Stand April 2015) gestiegen. Monatlich kommen ca. 50 neue Zuweisungen hinzu. Diese hohe Anzahl stellt alle in diesem Bereich tätigen Institutionen vor große Herausforderungen. Insbesondere die Gemeinden und karitativen Einrichtungen arbeiten eng mit dem zuständigen Fachbereich der Stadtverwaltung zusammen. Dabei sind gerade die aufgebauten Stadtteilnetzwerke, wie das „Soziale Netzwerk Stadtmitte“, von erheblicher Bedeutung, da sie aufgrund des engen Kontaktes und bisheriger guter Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, den karitativen Einrichtungen und professionellen Flüchtlingsberatern, als Koordinatoren im entsprechenden Sozialraum schnelle Hilfe und Unterstützung leisten können. Allerdings stoßen die Kapazitäten mittlerweile an ihre Grenzen.

Erfreulicherweise ist in Bergisch Gladbach ein hohes bürgerschaftliches Engagement im Bereich der Flüchtlingshilfe zu vermerken. Bürgerinnen und Bürger wollen den nach Deutschland geflohenen Menschen ehrenamtlich helfen. Leider bestehen hier keine so umfassenden Strukturen, die dieses Engagement auffangen und zielgerichtet einsetzen können. Dies war in der Vergangenheit in diesem Ausmaß auch nicht notwendig. Nun stehen die in der Flüchtlingshilfe aktiven Institutionen vor neuen Herausforderungen. Zum einen gilt es, den Flüchtlingen konkret zu helfen, zum anderen den ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zu bieten, sich in der Flüchtlingshilfe aktiv einzubringen. Im Bereich der Sprachkurse konnte das bereits in Kooperation mit der Stadtverwaltung, dem Integrationsrat, dem Kommunalen Integrationszentrum, dem Caritasverband für den Rheinisch-Bergischen Kreis e.V. und der Freiwilligenbörse Rhein-Berg e.V. erfolgen. Darüber hinaus sind keine Strukturen vorhanden, die Hilfsbereitschaft der Menschen zielgerichtet und effektiv einzusetzen.

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